Nierendiabetes (Diabetes renalis, primäre renale Glukosurie)
Erbliche Nierenerkrankung, bei der Zucker in den Urin übergeht. Nierendiabetes heißt zwar ähnlich wie der Diabetes mellitus, entsteht aber völlig anders: Bei Zuckerkranken gelangt Zucker in den Urin, weil der Blutzuckerspiegel erhöht ist, bei Patienten mit Nierendiabetes, weil die Niere den Zucker nicht aus dem Urin herausfiltern kann. Somit ist bei den Zuckerkranken die Blutzuckerregulierung gestört, bei den Nierendiabetikern dagegen ist die Funktion der Niere beeinträchtigt. Der Zucker zieht über die Osmose Wasser mit sich und erhöht so die Harnmenge. Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, müssen die Betroffenen viel trinken.
Nierenektopie
Angeborene Verlagerung der Niere im Bauchraum.
Nierenembolie
Verschluss einer oder beider Nierenarterien durch ein Blutgerinnsel. Es entsteht zumeist im Herzen und wandert über den großen Blutkreislauf in die Niere ein. Um zu verhindern, dass Nierengewebe abstirbt und bleibende Schäden entstehen (Niereninfarkt), entfernt der Arzt das Blutgerinnsel möglichst innerhalb der ersten beiden Stunden.
Nierenentfernung (Nierenresektion, Nephrektomie)
Operativer Eingriff, bei dem der Chirurg eine der beiden Nieren entnimmt. Der Arzt entfernt die Niere nur, wenn der Harnabfluss nachhaltig gestört ist, wenn die Niere chronisch entzündet oder durch Verletzungen und Bluthochdruck stark geschädigt ist. In schweren Fällen schneidet er zusätzlich den Harnleiter und die Blasenmanschette heraus (Nephrourreterektomie). Oft muss er aber auch nur einen Teil der Niere entfernen (partielle Nierenresektion). In der Regel wird dieser Eingriff nur durchgeführt, wenn die verbleibende Niere noch ausreichend funktioniert.
Nierenfistel
Nicht natürlich vorgesehene Verbindung der Niere mit der Harnblase, der Scheide oder einem Darmabschnitt (innere Nierenfistel) oder der Körperoberfläche (äußere Nierenfistel). Eine Nierenfistel ist entweder angeboren oder entsteht verletzungsbedingt. In beiden Fällen schneidet der Arzt die Nierenfistel heraus und verschließt die Öffnung. Manchmal wird eine Nierenfistel auch zur Behandlung gezielt angelegt. Über solche Nierenfisteln leitet der Arzt angestauten Harn ab, entnimmt Urinproben, entfernt Nierensteine oder öffnet abgekapselte Eiteransammlungen.
Nierenfunktionsprüfung
Verfahren zur Messung der Nierenfunktion. Die Nierenfunktion lässt sich daran abschätzen, wie viel Blutplasma die Niere pro Minute von Kreatinin befreit (Kreatinin-Clearance). Kreatinin ist das Abbauprodukt von Kreatin, das den Muskeln als Energiereserve dient. Für eine Kreatinin-Clearance misst der Arzt die Kreatinin-Konzentrationen in Blut und Urin und berechnet mit Hilfe der Cockroft-Gold-Formel, ob die Messwerte im Rahmen für eine Person des jeweiligen Geschlechts, Alters und Gewichts liegen.
Die Durchblutung der Niere berechnet der Arzt mit einer PAH-Clearance. Dazu gibt er dem Patienten eine aus Pferdeharn isolierte Säure (para-Aminohippursäure, p-Aminohippursäure, PAH) und misst anschließend, wie schnell sie von der Niere aus dem Harn entfernt wird.
Alternativ macht der Arzt eine Nierenszintigrafie mit einem schwach radiaktiven Kontrastmittel. Sie zeigt sowohl die Nierenfunktion als auch die Durchblutung und die Harnausscheidung jeder einzelnen Niere an. Wie viel Harn die Niere ausscheidet hängt im Wesentlichen davon ab, wie sie den in einem ersten Produktionsschritt gebildeten Harn später wieder eindickt. Diese Konzentrationsleistung der Niere bestimmt der Arzt über den Volhard-Versuch.
Nierengrieß
Kleine, sich in der Niere ablagernde Kristalle aus Harnbestandteilen. Wachsen diese weiter an, entstehen Nierensteine.
Nierenhyperplasie
Form der Nierenfehlbildung, bei der die Niere nahezu die doppelte Größe annimmt. Eine Nierenhyperplasie verursacht keine Beschwerden.
Nierenhypoplasie
Form der Nierenfehlbildung, bei der die Niere kleiner und leichter als gewöhnlich ist. Eine Nierenhypoplasie vermindert zwar die Nierenleistung, tritt aber meist nur einseitig auf, so dass die gesunde Niere für die kranke einspringt. So bereitet eine Nierenhypoplasie den Betroffenen meistens keine Beschwerden.
Niereninfarkt
Durch Sauerstoffmangel bedingtes Absterben von Nierengewebe. Ein Niereninfarkt entsteht meist durch ein Blutgerinnsel, das eine der beiden Nierenarterien verstopft (Nierenembolie). Im weiteren Sinne führen auch Blutgerinnsel in den Nierenvenen zum Niereninfarkt, sie kommen jedoch seltener vor. Der Betroffene spürt Schmerzen in den Flanken, Übelkeit und Brechreiz. Geht Blut in den Urin über, verfärbt sich dieser rot. Da in der Niere funktionell wichtiges Gewebe abstirbt, sinkt ihre Leistung und sie bildet weniger Harn. Kleine Niereninfarkte heilen von selbst wieder ab, wobei sie verkalktes Narbengewebe zurücklassen. Größere Niereninfarkte behandelt der Arzt, um zu verhindern, dass sich im abgestorbenen Gewebe eiterbildende Bakterien sammeln und dort einen Nierenabszess bilden. Ansonsten richtet sich die Therapie nach der Grunderkrankung.